Coregonus spp.

Das Felchen

Ø Gewicht (Siika)0,5 - 2 kgFinnischer Rekord: 7,08 kg (2000)
Längenangabe30 - 50 cmWanderform bis 65 cm
LaichzeitOkt - Nov4 - 6 °C Wasser
MindestmaßKeinesRegional verschieden

Ein finnischer Lieblingsfisch

Dieser regionale Guide verwendet Felchen beziehungsweise Renken (siika auf Finnisch, sik auf Schwedisch) im weiteren Sinn. Je nach Gewässer unterscheiden sich Formen in Nahrung, Wachstum und Wanderungen. Luke bezeichnet finnische Siika als Coregonus lavaretus, HaV schwedische Sik als Coregonus maraena; diese regionalen Namenskonventionen sind nicht automatisch dieselbe taxonomische Abgrenzung. Die Kleine Maräne (Coregonus albula, muikku/siklöja) ist eine eigenständige Art.

Die Muikku (Kleine Maräne, Coregonus albula) ist Finnlands kommerziell wichtigster Süßwasserfisch. Geräuchert oder in Butter gebraten gibt es sie auf jedem finnischen Sommermarkt – und Kleine Maränen aus dem Puruvesi (Puruveden muikku) tragen seit 2013 eine EU-geschützte geografische Angabe.

Das große Felchen (Siika) ist dagegen ein anspruchsvoller Sportfisch. Sein weiches Maul und sein vorsichtiger Biss machen es zu einer echten Herausforderung. In Finnland hat sich eine eigene Angeltradition rund um das Felchen entwickelt: Mormyschka-Fischen durch Eislöcher im Winter und federleichtes Nymphen-Fischen im Sommer.

Saison & Aktivität

Eisangeln im Winter, feine Präsentationen im offenen Wasser und herbstliche Laichwanderungen prägen das Felchenjahr. Suche die Fische dort, wo passende Nahrung und kühles, sauerstoffreiches Wasser zusammentreffen.

Quellen
LaichzeitHauptsaisonEisangelnJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez

Nahrungsspektrum

Felchen nutzen Plankton, wirbellose Bodentiere und weitere örtliche Beute. Die Felchenform, das Nahrungsangebot und die Konkurrenz mit anderen Fischen bestimmen, welche Nahrung besonders wichtig ist.

  • Zooplankton (Daphnien, Copepoden)
  • Chironomiden-Larven (Zuckmücken)
  • Eintagsfliegenlarven
  • Detritus & Algen

Wachstum im Überblick

Länge und Gewicht im Verlauf des Wachstums.

Quellen
Alter (Jahre)LängeGewichtGrößenvergleich
110 cm7 g
218 cm50 g
325 cm140 g
430 cm260 g
535 cm420 g
639 cm600 g
845 cm950 g
10+55 cm1.8 kg

Habitat-Anforderungen

Wassertemperatur

Typische Bedingungen
Kühles Wasser
Weitere Einflussfaktoren
Hitze und Sauerstoffmangel

Kühles, sauerstoffreiches Wasser ist ein wichtiger Lebensraum. Die Struktur des Sees bestimmt die Rückzugsräume: Im großen, überwiegend flachen Pyhäjärvi spielt das Zusammenspiel von Temperatur, Nahrung und Konkurrenz eine besondere Rolle.

Sauerstoff

Typische Bedingungen
Ausreichend Sauerstoff
Weitere Einflussfaktoren
Anhaltender Sauerstoffmangel

Strömung, Wind und Durchmischung bringen Sauerstoff ins Wasser. Temperatur und Wasseraustausch helfen dabei, geeignete Fress- und Rückzugsräume zu finden.

Wasserklarheit

Typische Bedingungen
Je nach örtlicher Form

Manche Formen fressen Plankton, andere Bodentiere oder Fische. Eine Sichtbedingung gilt nicht für alle Formen.

Seengröße

Typische Bedingungen
Seen, Flüsse und Küstengewässer

Der Lebensraum unterscheidet sich nach Form und Lebensstadium. Die Seegröße allein bestimmt nicht seine Eignung.

Substrat (Laich)

Typische Bedingungen
Kies, Sand, Steine
Weitere Einflussfaktoren
Schlamm

Laicht im Herbst auf hartem Grund in 1 - 5 m Tiefe. Eier überwintern am Boden bis zum Frühjahr.

Nahrungsangebot

Typische Bedingungen
Nahrung passend zur örtlichen Form

Das Wachstum hängt von Form, Nahrung und Bestandsdichte ab; keine Nährstoffklasse garantiert das schnellste Wachstum.

Angeltechniken für das Felchen

Das Felchen hat ein weiches, kleines Maul und beißt extrem vorsichtig. Feines Gerät, dünne Vorfächer und winzige Köder sind Pflicht. In Finnland haben sich zwei Hauptmethoden etabliert, die beide von der finnischen Anglerkultur geprägt sind.

Im Winter ist Mormyschka-Fischen (Mormuska) die Königsdisziplin: Eine winzige, bebleite Kunstfliege wird durch ein Eisloch auf und ab bewegt. Bisse zeigt eine extrem empfindliche Rute mit Nickspitze an – jedes Zucken des Nickers kann ein Fisch sein.

🧊

Mormyschka (Eis)

Dezember - April

Führe die Mormyschka langsam und gleichmäßig nach oben, mit kleinen Bewegungen. Verändere das Tempo behutsam und beobachte den Bissanzeiger genau; Felchen nehmen den Köder oft vorsichtig.

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Nymphen (Springer-Montage)

Mai - Oktober

2-3 kleine Nymphen am Seitenarm, unter einer Pose oder Indikator. Chironomiden-Imitate in Gr. 14 - 18.

🪶

Trockenfliege

Juni - August

In klaren Seen und geeigneten Flussabschnitten lassen sich Felchen mit kleinen Nymphen oder Trockenfliegen befischen. Orientiere dich an den Insekten und der Tiefe, in der die Fische Nahrung aufnehmen.

🪤

Stellnetze

Ganzjährig

Stell- und Zugnetze sind die traditionelle Methode von Berufs- und Hobbyfischern. Für Netze brauchst du die Erlaubnis des Gewässereigentümers.

Wo man in Finnland Felchen fängt

Das Felchen ist in ganz Finnland verbreitet. Diese Gewässer sind für besonders große Exemplare und gute Fangmöglichkeiten bekannt.

Puruvesi (Saimaa)

61.7°N, 29.4°E

Einer der klarsten Seen Finnlands

Kristallklares Wasser mit mehreren Metern Sichttiefe – ein klassischer Felchen- und Maränensee.

Inarijärvi

69.1°N, 27.6°E

Arktische Felchen in Lappland

Finnlands drittgrößter See beherbergt mehrere Felchen-Ökotypen. Die planktivore Form lebt pelagisch im offenen Wasser, während die größere bodenorientierte Form Uferstrukturen bewohnt. Legendär für Mormyschka-Fischen im Frühwinter.

Bottnische Küste (Merenkurkku)

63.5°N, 21.5°E

Wanderfelchen der Ostsee

Die wandernden Felchen des Bottnischen Meerbusens ziehen zum Laichen im Herbst in Küstenflüsse. Das beschreibt ihre Biologie, keinen offenen Fangzeitraum: In den ins Meer mündenden Flüssen und Bächen Festland-Finnlands sind Felchen vom 1. September bis 30. November geschützt. Plane nur eine rechtlich zulässige Fischerei unter den aktuellen Gewässerbedingungen. Am Tornio-Grenzfluss gelten die gesonderten Grenzflussregeln (Fischereiverordnung § 1).

Päijänne

61.6°N, 25.5°E

Tiefwasser-Felchen in Zentralfinnland

Der zweitgrößte See Finnlands bietet ideale Bedingungen: tiefes, klares Wasser mit ausgeprägter Thermokline. Felchen stehen hier im Sommer in 8 - 15 m Tiefe. Trolling mit kleinen Wobblern und Mormyschka-Fischen im Winter.

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Eine finnische Delikatesse

Das Felchen und sein kleiner Verwandter, die Kleine Maräne (muikku), sind die Speisefische Finnlands. Ihr zartes, weißes Fleisch mit feinem, nussigem Geschmack wird in zahlreichen traditionellen Zubereitungen serviert:

Savustettu muikku – Heiß geräucherte Kleine Maränen am Spieß. Finnlands klassisches Streetfood.
Paistettu muikku – In Roggenmehl panierte, gebratene Kleine Maränen mit Kartoffelpüree.
Kalakukko – Traditionelle Pastete aus Savo mit Kleinen Maränen und Schweinefleisch im Roggenteig.
Loimulohi-Stil – Große Felchenfilets, auf einem Brett am offenen Feuer gegart.

Felchen- und Maränenrogen (mäti) gilt als „finnischer Kaviar“ und wird auf Toast oder Blini mit Sauerrahm und roten Zwiebeln serviert.

Mormyschka-Tipp für Einsteiger

Rute: Spezielle Mormyschka-Rute (25 - 40 cm) mit weichem Nicki (Bissanzeiger-Spitze). In Finnland heißt sie Mormuska-vapa.

Köder: 2 - 4 mm Bleikopf-Nymphe mit rotem oder orangem Punkt. Oft mit einer einzelnen Made oder einem Wurmstück bestückt.

Technik: Langsam auf und ab bewegen (2 - 3 cm Hub), mit regelmäßigen Pausen. Der Biss zeigt sich als minimales Zucken des Nickis - sofort anschlagen, aber sanft!

Tiefe: Felchen stehen im Winter meist knapp über Grund (0,5 - 1 m darüber). Von unten nach oben suchen.

Quellen